Vom Paradies sieht man sich doch weit entfernt

Neujahrsempfang des Rohrbacher Turnerbundes: Jede Menge Lob und Anerkennung – Aber auch Ärger über mangelnde Wahrnehmung

Von Werner Popanda (RNZ 19.01.19)

Rohrbach. Mit einem Zitat von Winston Churchill eröffnet Gert Bartmann, Leiter des städtischen Amts für Sport – und Gesundheitsförderung, sein Grußwort beim Neujahrsempfang des Turnerbundes 1889 Rohrbach (TBR) im Alten Rathaus. Allerdings nicht mit dem ebenso bekannten wie ob der Quellenlage umstrittenen „No sports!“, sondern mit „Keine Stunde, die man im Sattel verbringt, ist verloren!“ Schließlich war Churchill in seiner Jugend begeisterter Reiter und Polospieler. Diese Begeisterung sah Bartmann in seinem Rückblick auf das internationale, nationale und regionale Sportjahr 2018 auch beim TBR und lobte die „hervorragende Arbeit, die unsere Sportvereine leisten“. Beim Lob wollte er es allerdings nicht belassen. Stattdessen kündigte er an, dass die Stadt nach der Umwandlung der beiden letzten Hart- in Kunstrasenplätze vor allem in vorhandene Sportinfrastruktur investiere. Hierzu zählt auch das Spielfeld des TBR auf dem Boxberg, das in zwei Jahren auf Vordermann gebracht werden soll.

Unterm Strich attestierte Bartmann dem TBR, mit „großartigen Sportangeboten für die Menschen auf dem Berg und im Tal“ aufzuwarten. Daher sei es wichtig, dass eine Kommune diese Arbeit unterstütze.  Im Falle des TBR geschehe dies mit 30 000 Euro Zuschüssen im Jahr, zu denen sich weitere Gelder für die Bereitstellung der Infrastruktur gesellten.

Aber dennoch „sehe ich uns vom Paradies noch etwas entfernt“, hatte Bianca Flock als 1. Vorsitzende festgehalten. Damit regierte sie auf eine Äußerung von Thomas Müller, ihrem Amtspendant bei der TSG Rohrbach, der im RNZ-Sportteil zu folgendem Schluss gekommen war: „Wir werden von der Stadt Heidelberg vorbildlich unterstützt, wir leben wie im Paradies.“ Dass es ihrer Ansicht nach nicht ganz so paradiesisch zugeht, begründete Flock damit, dass „natürlich die öffentliche Hand als auch das Ehrenamt dem Druck der finanziellen Beschränkungen, den hohen Arbeitsanforderungen und der wachsenden Anzahl an Aufgaben“ unterliege. Allerdings müsse dies weder zum Rückgang der Ehrenamtlichen führen, wenn es zu einer besseren Verzahnung komme. So wünsche man sich „auch beim täglichen Klein-Klein schnelle, freundliche und zielorientierte Hilfe“. Und so „super der Gedanke einer Umstrukturierung von Verantwortlichkeiten und Geldern für den Austausch defekter Sportgeräte“ sei, „brauchen wir zeitnah Ersatz für nicht mehr zugelassene Kästen, Sprungbretter, Matten und so weiter, damit unser Vereinssport jetzt reibungslos funktioniert.

Außerdem will der TBR laut Flock wahrgenommen werden, sowohl bei Einladungen zu Veranstaltungen, bei denen Ehrenamtlichen gedankt wird, als auch bei Geburtstagen, „bei denen wir als Mitgründungsverein übersehen wurden“. Gemeint war der 30. Geburtstag des Turnzentrums Heidelberg, bei dem der TBR laut Geschäftsführer Michhel Horsch „in der Laudatio wohl etwas unterging“.

Nicht zuletzt, so Flock, wolle der TBR „an Entscheidungsprozessen wirklich beteiligt werden“ – etwa, wenn es wie bei der künftigen Nutzung der denkmalgeschützten Halle auf dem Hospital-Gelände um ein für Rohrbach wesentliches Vorhaben gehe. Und nicht nur aus der RNZ wolle man künftig erfahren, dass der „Nordbadische Volleyballverband schon vor über einem Jahr Interesse daran bekundet hat“. „Wurde hier“, fragte Flock, „vergessen, dass es mehrere Sportvereine in Rohrbach gibt, die sich auch mit den sportlichen und gesellschaftlichen Bedürfnissen im Stadtteil auskennen?“ Oder gelte hier das Prinzip, „dass nur der, der am lautesten schreit, die meiste Aufmerksamkeit erhält?“

   
© Turnerbund Rohrbach 1889 e.V.